Versorgung von Brandwunden

Brandverletzungen – psychologische Aspekte

von: Mölnlycke Health Care, Oktober 26 2012Beiträge: Versorgung von Brandwunden

Einleitung
In den letzten 50 Jahren konnte die Mortalitätsrate nach erheblichen Brandverletzungen dramatisch gesenkt werden, und zwar aufgrund erweiterter Kenntnisse über die Pathophysiologie thermischer Verletzungen und ihrer systemischen Konsequenzen, der Fortschritte in der Medizintechnik und der Verbesserung der chirurgischen Techniken. Der Fokus auf die psychiatrische Morbidität und das Wohlergehen von Verbrennungsopfern hat deren Wichtigkeit erhöht und die Mortalität gesenkt.

Das erste Jahr nach einer Brandverletzung ist die kritischste Phase, in der zahlreiche Patienten an Angstzuständen, Depression, Delirium und Psychosen leiden. Die meisten Studien unterstreichen, dass Patienten unter langfristigen psychologischen Komplikationen leiden und die Prävalenz zwischen 10 und 65 % beträgt (Klinge et al., 2009). Angstzustände und Depression gehörten zu den häufigsten Langzeitsymptomen bei Patienten mit Brandverletzungen. Das Wissen um Risikofaktoren ist äußerst wichtig, um diejenigen zu erkennen, die der Gefahr von psychologischen Problemen nach einer Verletzung ausgesetzt sind, und um präventive und rehabilitative Strategien umzusetzen.
(Tabelle 1 von Klinge et al. (2009), S. 2277 einfügen).

Es wurden sechs Variablen ausgemacht, die Einfluss darauf haben, wie gut sich Patienten mit Brandverletzungen auf Verletzungen nach dem Brandereignis einstellen:

(1) Psychologischer Zustand vor der Brandverletzung
Bei Patienten mit Brandverletzungen lässt sich ein höherer Grad an vorher vorhandenen psychopathologischen Erkrankungen feststellen als bei der restlichen
Bevölkerung. Vorher vorhandene psychiatrische Störungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Depressionen spielen eine statistisch signifikante kausale Rolle bei diesen Verletzungen (Dyster-Aas et al., 2008). Verminderte kognitive Prozesse hinsichtlich der Missachtung des Selbstschutzes führen zu Risikobereitschaft (Noronha and Faust, 2006).  Die Bedeutung früher psychologischer Eingriffe zur Erkennung und Behandlung vorher bestehender Beeinträchtigungen ist daher wesentlich für die Verringerung von Komplikationen bei der langfristigen Anpassung.

(2) Beruflicher Status vor der Brandverletzung
Eine Nichtbeschäftigung zum Zeitpunkt der Verletzung in Verbindung mit vorher bestehenden Faktoren wie
Alkoholabhängigkeit und Drogenkonsum gingen mit schlechteren psychologischen Ergebnissen nach der Brandverletzung einher (Fauerbach et al., 2001). Eine frühe Erkennung der Probleme und die berufliche Wiedereingliederung können die Hürden für eine Anstellung beseitigen, mit denen viele Brandpatienten zu kämpfen haben.

(3) Persönlichkeit und Bewältigungsstrategie
Individuen mit speziellen Persönlichkeitszügen haben mit größeren Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen. Neurotizismus als dem am häufigsten erkannten Zug, äußert sich durch Pessimismus, negative Auswirkung, Introvertiertheit und Rückgriff auf Bewältigungsvermeidungsstrategien. Zwischen von Neurotizismus geprägten Persönlichkeitszügen sowie psychosozialer und physikalischer Anpassung nach der Verletzung konnte eine Korrelation nachgewiesen werden (Klinge et al., 2009).

(4) Wirksamkeit von unterstützenden Netzwerken
Studien belegen die Verbindung zwischen einem stabilen, unterstützenden sozialen Netz (bei gleichzeitiger Beschäftigung zum Zeitpunkt einer
Brandverletzung) und besseren Ergebnissen (Klinge et al., 2009).

(5) Eigenschaften der Brandverletzung
Vorher bestehende psychologische Probleme können eine größere Auswirkung auf die psychologische
Anpassung einer Person haben als der Umfang oder der Ort der Verletzung (Klinge et al., 2009).

(6) Geschlecht
Die Gesellschaft schätzt Schönheit, und Personen mit sichtbaren Narben werden häufig sozial stigmatisiert und
an den Rand gedrängt oder unterbewertet. Jedoch wurde nachgewiesen, dass vor der Verletzung vorliegende Faktoren einen größeren Einfluss auf die psychologische Anpassung nach der Brandverletzung haben als der Umfang oder der Ort der Verletzung (Fauerbach et al. 2002). Je nach Ort und Sichtbarkeit der Narben litten weibliche Personen im Allgemeinen mehr und länger an psychologischen Verhaltensstörungen in Bezug auf das veränderte Körperbild und sexuelle Funktionsstörungen als ihre männlichen Leidensgenossen (Klinge et al., 2009).

Fazit
Die Ergebnisse der Abschlussstudie haben gezeigt, dass Heterogenität und Comorbidität die Schlüsseleigenschaften für diese Patientengruppe sind (Klinge et al., 2009). Die verschiedenen Reaktionen auf Verletzungen und bestehende psychologische Probleme, die die Anpassung beeinträchtigen, machen es schwierig vorherzusagen, wie eine Person reagieren wird. Behandlungsprogramme müssen proaktiv und präventiv sein und dies lässt sich durch Ansprechen spezieller Risikofaktoren zur Aktivierung und Verstärkung der Ressourcen erzielen, die für das gewünschte Ergebnis relevant sind (Wallis et al., 2006).

Referenzen
Dyster-Aas J., Willebrand M., Wikehult B., Gerdin B. & Ekselius L. (2008) Major depression and posttraumatic stress disorder symptoms following severe burn injury in relation to lifetime psychiatric
morbidity. Journal of Trauma Injury Infection and Critical Care 64(5), 1349–1356.
 
Fauerbach J.A., Heinberg L.J., Lawrence J.W. & Bryant A.G. (2002) Coping with body image changes following a disfiguring burn injury. Health Psychology 21(2), 115–121.

Fauerbach J.A., Engrav L., Kowalske K., Brych S., Bryant A., Lawrence J., Guohua L., Munster A. & deLateur B. (2001) Barriers to employment among working-aged patients with major burn
injury. Journal of Burn Care & Rehabilitation 22(1), 26–34.

Klinge K. et al. Psychological adjustments made by postburn injury patients: an integrative literature review. Journal of Advanced Nursing. 2009; 65(11): 2274-2292.

Noronha D. O. & Faust J. (2006) Identifying the variables impacting post-burn psychological adjustment: a meta-analysis. Journal of Pediatric Psychology 32(3), 380–391.33(2), 167–172.
Wallis H., Renneberg B., Ripper S., Germann G., Wind G. & Jester

Wallis H., Renneberg B., Ripper S., Germann G., Wind G. & Jester A. (2006) Emotional distress and psychosocial resources in patients recovering from severe burn injury. Journal of Burn Care & Re-
search 27(5), 734–741.

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