Versorgung von Brandwunden

Behandlung von Verbrennungen im Rückblick

von: Mölnlycke Health Care, Oktober 26 2012Beiträge: Versorgung von Brandwunden

Einleitung

Die erfolgreiche Behandlung von Verbrennungen ist erst seit relativ kurzer Zeit möglich. Bis 1939 wurde angenommen, dass jemand mit Verbrennungen von über einem Drittel seiner Körperoberfläche nicht gerettet werden könnte, während wir heute davon ausgehen, jemanden, dessen Gesamtkörperoberfläche zu 65 % verbrannt ist, erfolgreich behandeln zu können. Die Gründe dafür sind das erweiterte Wissen über die Pathophysiologie einer thermischen Verletzung und ihrer systemischen Konsequenzen, der Fortschritt in der Medizintechnik und die verbesserten Operationstechniken.

Noch bis vor Kurzem wurden für die topische Behandlung größtenteils natürliche Inhaltsstoffe verwendet: Pflanzen oder tierische Nebenprodukte oder mineralische/chemische Wirkstoffe. Unter Physikern gab es hinsichtlich der topischen Behandlung zwei Schulen: Die einen versuchten, die Wunde auszutrocknen und die Bildung von Schorf zu fördern, während die anderen es für besser hielten, die Wunde mit Salben und Umschlägen feucht zu halten.

Behandlungen mit tierischen Produkten

Heilmittel wie Schmalz, Honig, Milch, Butter und Eier fanden seit dem Altertum breite Anwendung und werden heute immer noch als Hausmittel angewandt, am häufigsten reiner Schmalz. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde zunehmend von der Verwendung von ölhaltigen Mitteln abgeraten, da sie nicht wasserlöslich und somit schwer zu entfernen sind. Im 20. Jahrhundert wurden auch lebende Tiere zur Behandlung verwendet: Maden säuberten die Verbrennungswunden, da sie zwischen totem Gewebe, das sie fressen, und lebendem Gewebe, das sie nicht fressen, unterscheiden können.

Behandlungen mit pflanzlichen Wirkstoffen

Die Wirkstoffe aus Pflanzenölen, Kartoffeln, Mehl, Äpfeln, Zwiebeln, Blättern, Essig und Terpentin wurden ebenfalls als Heilmittel empfohlen. Brandöl, eine Mixtur aus gleichen Teilen von Leinsamen- oder Olivenöl und „Kalkwasser“ (eine wässrige Suspension aus Kalziumkarbonat und Kalziumoxid oder Branntkalk) wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert in den meisten Studien über die Behandlung von Verbrennungen empfohlen. auf Grund seines basischen pH-Werts und seiner heilenden und lindernden Eigenschaften wurde es universell verwendet, bis nach den Studien von Lister in den 1870er Jahren Antiseptika aufkamen.

Im 19. Jahrhundert wurden lindernde Umschläge beispielsweise aus Kartoffeln, Äpfeln, Zwiebeln und Blättern sowie Brot- und Milchumschläge gemacht, um die Verschorfung der Wunde anzuregen. Während des amerikanischen Bürgerkriegs war dies die bevorzugte Behandlungsmethode. In dieser Zeit wurden auch immer noch Essig und Terpentin verwendet, Heilmittel die bereits in der griechischen Antike und im alten Rom verwendet wurden, da sie verdunsten und somit kühlen.

Mineralische und chemische Wirkstoffe zur Behandlung von Verbrennungen

Überraschenderweise wurden Verbrennungen im 19. Jahrhundert sehr häufig mit Blei als ätzendem Wirkstoff behandelt, bis die toxischen Effekte bekannt wurden. Weniger toxisch war die Behandlung mit Eis oder Eiswasser, die gelegentlich in der Geschichte erwähnt wird und sich kühlend und abschwellend auf die Wunde auswirkte, bis man Ende des 20. Jahrhunderts herausfand, dass diese Behandlung zu einem Verbrennungsschock führte. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Produkte auf Erdöl-Basis entwickelt und besonders Petrolatum oder Petrolat verwendet, um Schmerzen und Hyperämie zu lindern. Im zweiten Weltkrieg bestand die topische Standardbehandlung von Verbrennungsverletzungen darin, Verbände aus Mull anzulegen, der mit markengeschützter Vaseline imprägniert war.

Die Einführung von Karbolsäure oder Phenol war ein wichtiger Fortschritt bei der Behandlung von Verbrennungen in Richtung Keimkontrolle. Es hatte viele positive Eigenschaften, um bis zum 19. Jahrhundert den Medizinern empfohlen zu werden, die in diesem Bereich experimentierten, doch leider wies es viele toxische Wirkungen auf, unter anderem die Verbrennung von Gewebe. Erst 1965 wurde das erste wirksame Bakterizid hergestellt, Silbernitrat 0,5 %, gefolgt von Mafenid und Silbersulfadiazin (1968). Das Letztere ist weniger toxisch und weniger schmerzhaft beim Auftragen, während es die Kontamination der Brandwunde reduziert und eine Sepsis verhindert.

Fazit

Jahrhundertelang wurden Personen mit schweren Verbrennungen bandagiert und hinsichtlich der Heilung sich selbst überlassen. Viele von ihnen starben oder wurden schrecklich entstellt. Auf Grund von radikalen Veränderungen in der topischen Behandlung, die mit Fortschritten in allen anderen Aspekten der Patientenversorgung einhergingen, konnten die Heilungs- und die Überlebensrate grundlegend verbessert werden.

Die Geschichte der topischen Behandlung von Verbrennungen

Datum/Quelle

Tier

Pflanze

Mineral/Chemikalie

Kommentare

1500 vor Christus - Papyrus

 

Zitronenstreifen in einer Ölzubereitung

 

 

500 vor Christus

 

Mixtur aus Teeblättern (Gerbsäure)

 

 

430 vor Christus

Hippokrates

Altes Schweinefett (Schmalz)

 

 

 

(Römisches Reich) Galen

 

Essig und Wein

 

 

9. Jahrhundert

(Arabien) Rhazes

 

 

Kaltes Wasser

 

1799

Earle

 

 

Eiswasser

 

1769-1797

 

 

Erhitzte starke Spirituosen

Warme stimulierende Heilmittel

1821

 

 

Silbernitrat

 

Thomasen

 

Lindernde Umschläge, Weingeist, Terpentin

 

 

1847

 

Umschläge aus geschälten Kartoffeln, Zwiebeln, Äpfel, Alkohol – Weinbrand, Mehl sowie Brot- und Milchumschläge

 

 

1882

 

 

Savage

Brandöl

 

Karbolsäure, Natron, Zinkoxid, Bleiweißfarbe, Silbernitrat, 3 g auf 30 ml Wasser

 

1875

Lister

 

 

Möbelpolitur, Borsäure

Antiseptische Behandlung

1925

 

 

Karbolsäure wurde durch Gerbsäure ersetzt, da bekannt wurde, dass Karbolsäure Verbrennungen auf der Haut verursacht.

 

1939

 

Maden

 

 

1944

 

 

Petrolat auf feinmaschiger Gaze

 

1945

 

 

Silbernitratlösung 10 %

 

1953

 

 

 

 

Mafenid

Verbesserte Antibiotika verfügbar. Neue Ära antibakterieller Wirkstoffe beginnt.

1968

 

 

Silbersulfadiazin

 

1973

 

 

Physiologische Kochsalzlösung, Peroxid

 

1975

 

 

Betaisodona (Povidon-Iod)

 

1976

 

 

Polyethylenglykol, künstliche Haut

 

1978

 

Schweinehaut

 

 

1981

 

 

Gentamycin, Nystatin

 

Übernommen von: Pinnegar and Pinnegar (1986)

Verweis

Pinnegar MD and Pinnegar FC III. History of Burn Care – A Survey of Important Changes in the Topical Treatment of Thermal Injuries. Burns. 1986; 12(7): 508-517.

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