Surgical

Reine Luft im OP: Wie können KBE-Niveaus gemessen werden?

von Mölnlycke Health Care, November 19 2015Beiträge Surgical

Von: Glenn Lundberg, 6 Oktober 2015 Veröffentlicht im: The Mölnlycke Health Care blog

Glenn Lundberg ist eine ehemalige OP-Fachkraft und arbeitet heute als Produktspezialist bei Mölnlycke Health Care in Schweden.

Geht es um OP-Säle und Sicherheit, fallen häufig die Begriffe „reine Luft“ und KBE-Niveau (Wert von koloniebildenden Einheiten in der Luft). Es gibt klare Indizien dafür, dass es aus hygienischer Sicht sinnvoll ist, das KBE-Niveau zu reduzieren – ist es letztendlich Maßstab dafür, wie rein die Luft ist bzw. wie hoch der Grad der bakteriellen Belastung im OP-Saal ist1,2,3.

Ein Blick in die Praxis zeigt jedoch, dass nicht alle Krankenhäuser über die nötige Erfahrung und das Wissen verfügen, Messmethoden für das KBE-Niveau zu etablieren. Ich werde in meiner täglichen Arbeit daher in Gesprächen mit Hygienebeauftragten und dem OP-Personal häufig mit der Frage nach dem „Wie“ konfrontiert, wenn es um die Umsetzung solcher Messmethoden geht.

In Schweden sind es vor allem die Hygienebeauftragten im OP, die Messungen von KBE-Niveaus vorantreiben, um zur Reinheit der Luft im OP beizutragen. Dies tun sie, indem sie zunächst regelmäßig die Ventilation kontrollieren. Sie verschaffen sich außerdem einen Überblick über die Anzahl von Personen im OP-Bereich, kontrollieren die Umsetzung der Hygienevorgaben zur Waschung und Desinfektion sowie die Vorschriften bzgl. der OP-Bekleidung.

Dazu gehört es ebenfalls, die Routinen auf der Station vor chirurgischen Eingriffen, währenddessen im OP und im Anschluss im Aufwachbereich unter die Lupe zu nehmen. Konkret bedeutet dies, das KBE-Niveau vor einem Eingriff zu messen und direkt danach. Hilfestellung bei der Umsetzung einer solchen Messung gibt die technische Spezifikation SIS TS 39:2012. Sie beschreibt genau, wie die Messung durchgeführt werden soll und wo die Agarplatte zu platzieren ist, um akkurate Ergebnisse zu erhalten. Die TS gibt außerdem Empfehlungen zu den Rahmenbedingungen der Messung. Dazu zählen die Einstellungen der Messgeräte, die Anzahl der Messungen sowie Empfehlungen zu der Bebrütungszeit pro Agarplatte.

In vielen Krankenhäusern ist bereits Wissen zu Messungen vorhanden, da Tests mit Luftprobensammlern durchgeführt werden, z.B. in Laboren, Apotheken, Reinräumen oder Sterilisationszentren. In diesen Einrichtungen geht es nur darum, das bereits vorhandene Wissen so weiterzugeben, dass es auch für den OP von Nutzen sein kann.

Ein Krankenhaus in meinem Gebiet bemerkte eine erhöhte Anzahl von Infektionen im Zusammenhang mit orthopädischen Eingriffen. Die Messungen des KBE-Niveaus ergab einen erhöhten Wert und Sie fragten um Rat, diesen entsprechend der geltenden Vorschriften zu reduzieren. Zum einen empfahl ich Ihnen, das Ventilationssystem einer technischen Inspektion zu unterziehen. Ferner riet ich zum Einsatz von Clean Air Suits bei Implantat-Chirurgie. Beide Maßnahmen wurden ergriffen und trugen nachweislich zu einer deutlichen Reduktion des KBE-Niveaus als auch der Anzahl der Infektionen bei.

Meine Empfehlung ist es, den Wert des KBE-Niveaus regelmäßig zu messen, um den bestmöglichen Schutz Ihrer Patienten zu gewährleisten. Sollten Sie dabei feststellen, dass Ihre KBE-Levels zu hoch sind, unterstützen wir Sie gerne bei der Umsetzung von Gegenmaßnahmen zur Reduktion. Diese können darin bestehen, neue Prozesse zu implementieren. Es ist erwiesen, dass verschiedenste Faktoren Einfluss auf das Level von KBE im OP haben 1,4,5. Darunter sind die installierten Ventilationssysteme, die Anzahl der Türöffnungen während eines Eingriffes sowie die Anzahl der anwesenden Personen im OP und die Beschaffenheit der Bereichskleidung 6,7,8.

Andere Studien zeigen, dass bereits die Umstellung der Bereichskleidung ausreichend sein kann, um ein Level von weniger als 10 KBE/m³ zu erreichen.

Kennen Sie die KBE-Niveaus in ihrem OP?

Referenzen:

  1. Lidwell OM, et al. Ultra-clean air and antibiotics for prevention of postoperative infection: a multi-center study of 8,052 joint replacement operations. Acta Orthop Scand, 1987; 58(1): 4-13.
  2. Hoborn J. Thesis: Humans as Dispersers of Microorganisms - Dispersion Pattern and Prevention. Department of Clinical Bacteriology, Institute of Medical Microbiology, University of Göteborg, Göteborg, Sweden. 1981.
  3. Swedish Technical Specification SIS-TS 39:2012. Microbiological cleanliness in the operating room – Preventing airborne contamination – Guidance and fundamental requirements.
  4. Lidwell OM, et al. Effect of ultraclean air in operating rooms on deep sepsis in the joint after total hip or knee replacement: a randomised study. BMJ1982;285:10-14.
  5. Lidwell OM, Lowbury EJL, Whyte W. Airborne contamination of wounds in joint replacement operations: the relationship to sepsis rates. J Hosp Infect 1983;4:111-31.
  6. Lippert S, Gutschik E. Bacterial sedimentation during cardiac surgery reduced by disposable clothing. Scand J Thorac Cardiovasc Surg 1992; 26: 79-82.
  7. Blomgren G, Hoborn J, Nyström B. Reduction of contamination at total hip replacement by special working clothes. J Bone Joint Surg [Br] 1990;72-B:985-987.
  8. Tammelin A, et al. Single-use surgical clothing system for reduction of airborne bacteria in the operating room. Journal of Hospital Infection, 2013.
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